Zum „Tag der Hausmusik“ am 22. November: Zeitgemäßer Unterricht notwendig und Grundstein mit musikalischer Früherziehung legen

Der 77. „Tag der Hausmusik“ steht im Zeichen Tausender kleiner Veranstaltungen in Schulen, Vereinen und Konzertsälen, bei denen die Musizierenden ihre Virtuosität unter Beweis stellen. In Deutschland gibt es über acht Millionen Menschen, die in Orchestern, Ensembles, in Jazz- und Rockgruppen, aber auch in vielen Chören ihre Musikalität pflegen. Bundeskanzlerin Angela Merkel erinnert sich gern an ihre Jugendzeit, als sie selbst musizierte. In einem Interview sagte sie einmal: „ Schon als Kind wurde mein Interesse an Musik geweckt. Zuerst habe ich Blockflöte gelernt, danach bekam ich Klavierunterricht - wenn auch nicht unbedingt mit herausragendem Erfolg. Zu Weihnachten wurde in der Familie gemeinsam musiziert.“<br /><br />Nach Meinung der Bundeskanzlerin sei es wichtig, gemeinsam Musik zu hören, Musik zu machen oder zuhause zu singen. Auch ein Besuch im Konzert bewirke schon sehr viel. „Die musikalische Früherziehung gilt als Grundstein für das spätere aktive Musizieren und sollte nicht nur im Elternhaus beginnen, sondern auch mit Initiativen der Pädagogen, denen später die Kinder anvertraut werden“, sagte Dr. Heinz Stroh, Geschäftsführer des Musikverbände in Bonn.

Zeitgemäßer Musikunterricht notwendig
Die Präsidentin des DMV, Dagmar Sikorski, forderte in den Schulen einen zeitgemäßen Musikunterricht, der sich an der jungen Generation orientiert. Das erfordere aber dringend Veränderungen in den Studiengängen der Hochschulen für angehende Musiklehrer. Die DMV-Präsidentin mahnt auch Reformen bei der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern an, damit sich die musikalische Früherziehung in Deutschland verbessert. „In den Kindergärten sollte viel mehr gesungen werden, denn auch das ist Musizieren. Es ist höchste Zeit, dass wir wesentlich effektiver der jungen Generation vermitteln, welche Faszination vom aktiven Musizieren ausgeht“, erklärte Dagmar Sikorski.

Steigende Schülerzahlen bei den Musikschulen
Der Verband deutscher Musikschulen meldet steigende Schülerzahlen. Dabei machen die 6- bis 14-Jährigen über fast 60 Prozent der Teilnehmer aus. Wie der Verband meldet, stabilisiert sich der Anteil der Erwachsenen bei 10 Prozent der Schülerbelegungen in den Musikschulen. Besonders die älteren Erwachsenen wenden sich dem aktiven Musizieren unter der kompetenten Anleitung von Musikschulen zu. Durch ihre Kinder motivierte Familienangehörige von Musikschülern, ehemalige Musikschüler, die nach einer Pause ihr früher erlerntes Instrument wieder aufnehmen, ältere Neuanfänger, Senioren, die sinnvolle Lebensgestaltung und soziale Kontakte durch das Musizieren suchen, sie alle haben wieder Spaß am Musizieren.

Schulisches Musikleben gefährdet
Auf der Generalversammlung des Deutschen Musikrates wurde auf die angespannte Situation der Musikförderung in Deutschland hingewiesen. In einer Entschließung heißt es: „Das schulische Musikleben an den allgemein bildenden Schulen ist - gerade auch in Kooperation mit Musikschulen - massiv gefährdet. Die zunehmende Einführung des Ganztagsbetriebes ohne die entsprechende Personal- und Sachausstattung sowie die Verkürzung der Schulzeit an den Gymnasien auf 12 Jahre leisten bereits jetzt einem drastischen Ensemblesterben Vorschub.“ Betroffen davon seien vor allem Chöre, Orchester, Bigbands, Schülerbands, Musik-Arbeitsgemeinschaften sowie die außerschulische Musikpädagogik und damit die musikalische Bildung in ihrer Gesamtheit, was zu einer Erosion des Musiklebens in Deutschland führen werde. Es müsse in Zukunft auch weiterhin die uneingeschränkte und fördernde Durchführung der Instrumental- und Vokalarbeit innerhalb und außerhalb der Schule möglich sein. 

Musikfachhandel fördert das Musizieren
Arthur Knopp, Präsident des Gesamtverbandes Deutscher Musikfachgeschäfte (GDM), verwies darauf, dass sich die Musikfachhändler in Deutschland seit Jahren engagieren, um die Jugend zum aktiven Musizieren zu führen. Dazu gehöre z.B. die Aktion „School of Rock“, die durch die Musikfachhändler gefördert werde und in vielen Schulen auf eine große Resonanz stoße.

Großer Erfolg für „Ein Anfang mit Musik“
Seit über 20 Jahren erfolgreich läuft das Projekt „Ein Anfang mit Musik“ der Musikverbände in Bonn, bei dem Erzieher und Pädagogen die Möglichkeit bekommen, nach neuesten Erkenntnissen ihren eigenen Musikunterricht zu bereichern, um so die Kinder noch besser zu erreichen.

Ein Verein für „Tag der Musik“
Neben dem traditionellen „Tag der Hausmusik“ hat sich noch eine weitere Initiative zur Förderung der Musik gebildet. Der Verein Tag der Musik e.V. in Berlin hat sich das Ziel gesetzt, der Kreativität und Vielfalt eine Bühne zu bauen, Deutschland als Musikland zu präsentieren und neue Wege in die Welt der Musik zu eröffnen. Egal ob Klassik, Jazz, Folklore oder Pop - Tag der Musik e.V. arbeitet übergreifend für das Ansehen der Musik in Deutschland. Die Zeit sei reif - für eine bundesweite, öffentliche und zugleich regional verwurzelte Aktion für die Musik in Deutschland.  Bereits am Wochenende 12. bis 14. Juni 2009 soll mit lokalen und regionalen Konzerten oder Veranstaltungen eine erste Welle der Aufmerksamkeit für den Tag der Musik ausgelöst werden. Alle Laien und Profis aus Kultur- und Bildungseinrichtungen, wie Musikschulen, Schulen, Kindergärten, Orchester, Chöre oder Musikvereine können an diesem Wochenende mit einer Veranstaltung einen Beitrag leisten und zeigen, dass Deutschland auch Musikland ist.

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